Die frühesten dokumentierten Ringuhren stammen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Sie entstanden aus derselben technischen Revolution, die die ersten Taschenuhren hervorbrachte — der Ersatz des schweren Foliot-Hemmers durch die kompakte Hauptfeder, die tragbare, miniaturisierte Werke zum ersten Mal physisch möglich machte. Die Handwerker, die sie bauten, arbeiteten in Nürnberg, Augsburg und später in London und Paris — Städten, in denen sich die feinsten Instrumentenmacher der Renaissance konzentrierten.
Diese Stücke wurden nicht für den allgemeinen Gebrauch gefertigt. Es waren Auftragsarbeiten — Geschenke zwischen Souveränen, diplomatische Instrumente, Symbole technischer Meisterschaft, die unter jenen Privilegierten ausgetauscht wurden, die begreifen konnten, was sie hielten. Königin Elisabeth I. von England erhielt eine Ringuhr als Geschenk, deren Lünette mit Diamanten und Rubinen besetzt war. Maria Stuart trug eine. Rudolf II., Heiliger Römischer Kaiser und der
obsessivste Sammler wissenschaftlicher Instrumente seiner Epoche, besaß mehrere in seiner Kunstkammer in Prag.
Zwei Jahrhunderte lang gehörte die Ringuhr zu den technisch anspruchsvollsten Objekten, die ein europäischer Handwerker produzieren konnte. Dann verdrängte sie die Taschenuhr. Dann verdrängte die Armbanduhr die Taschenuhr. Die Ringuhr zog sich zurück — nicht weil sie gelöst worden war, sondern weil sie aufgegeben wurde.